Sie wollte keinen Schmuck machen. Nach ihrer Goldschmiedelehre entwarf Catharina zunächst Körperschmuck für ihre Schwester Vera – die Welt kannte sie als Veruschka, das berühmte Supermodel der 70er Jahre. Aber Schmuck langweilte sie schnell.
Was sie suchte, fand sie im vernachlässigtsten aller Accessoires: dem Gürtel. In den Läden gab es nur Standardware. Extravagante Gürtel waren die absolute Ausnahme. Das wollte Catharina ändern.
In den 70er Jahren fanden ihre ersten Entwürfe schnell Abnehmer – darunter eine junge Designerin namens Jil Sander. Die Damen kauften breite Hüftgürtel mit viel Silber, die Männer trugen Gürtel mit Indianermotiven und fantasievollen Applikationen. Catharina hatte ein Gespür dafür, was fehlte: Gürtel, die keine Notwendigkeit mehr waren, sondern Schmuckstücke. Charakterstücke. Sammlerstücke.
Zu Hochzeiten boten über 200 Läden in Deutschland die Gürtel an. Eine echte Hamburger Modemarke war geboren.
In den 90er Jahren entwickelte Catharina etwas, das es bis dahin nicht gab: eine Wendeschließe mit echtem Dorn. Nicht die Koppelschließe, die man von anderen Marken kennt – sondern eine klassische Gürtelschließe, die sich mit einem Handgriff abnehmen lässt.
Ein Riemen, zwei Seiten, eine Schließe. Mit einem neuen Riemen verändert sich der komplette Look. Oder mit einer anderen Schließe. Die Kombinationen sind unbegrenzt – und jedes Element ist einzeln austauschbar. Das war 1992 eine Erfindung. Es ist heute noch eine.
Catharina ist die Tochter von Heinrich Graf von Lehndorff, einem der Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944. Dieses Erbe prägt ihre Haltung bis heute: Integrität, Konsequenz, Qualität. Kein Kompromiss beim Material. Kein Kompromiss beim Handwerk.
Das vollnarbige, natürlich gegerbte Leder kommt seit jeher aus den besten Gerbereien der Toskana. Alle Metallarbeiten werden nach Catharinas Designs seit über 40 Jahren in Florenz gefertigt – bei denselben Produzenten, die auch für Cartier und Prada arbeiten. Die finale Veredelung: von Hand, in Hamburg.
2015 stieg Christopher, Catharinas Sohn, in das Unternehmen ein. Seitdem führen Mutter und Sohn die Manufaktur gemeinsam – Catharina als Designerin und Hüterin des Wissens, Christopher als Brücke zwischen Tradition und Zukunft.
Mehr als 1.000 Designs lagern heute in Florenz. Jede neue Schließe wird noch immer von Catharina entworfen, von Hand skizziert. Und jeden Tag kommen Kundinnen und Kunden ins Atelier – manchmal mit einem Gürtel, den sie vor dreißig Jahren gekauft haben. Das Leder wird getauscht, die Schließe poliert, der Gürtel zurückgegeben wie neu.
Das ist kein Service. Das ist eine Haltung.